Naturheilverein-Baden

Teilbereiche (NHV Seminare und Vorträge)

Schwerpunktthemen des Naturheilvereins Baden e.V. (Seminare, Vorträge und Sonderveranstaltungen)

Arzneilose Behandlungsformen

Hier besteht das therapeutische Ziel darin, ohne jegliche Arzneimittel – gleich ob diese aus der Natur oder aus der Retorte stammen – auszukommen, d.h. allein eine Änderung der Lebensweise und der Lebensumstände soll Krankheiten vorbeugen und lindern. Es kommen auch bestimmte manuelle Therapieformen, die Atemlehre, Grundzüge aus der Gymnastik, die Autosuggestion und Fastenkuren in Betracht. Diese dienen vor allem der medizinischen Vorbeugung. Häusliche Anwendungen, im Sinne einer Grund- und Behandlungspflege während der Betreuung alter und hilfebedürftiger Menschen, rücken bei uns immer stärker in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Interesses.

Wasserheilkunde (Hahn, Prießnitz, Rausse, Kneipp & Co.)

Eine Spezialisierung aus der arzneilosen Behandlungsform nach den 4 Naturelementen ist die Wasserheilkunde. Ähnlich wie bei der bereits in der Antike angewandten Lichttherapie ist Wasser ebenfalls ein frei verfügbarer Naturstoff, der in unterschiedlichen Temperaturen (von kalt 10° Celsius bis heiß 45° Celsius) zum Einsatz kommt. Die Anwendung von Wasser birgt jedoch Risiken, die erkannt werden sollten.  Je spezifischer sich einzelne Verfahren hervortun, zum Beispiel auf Grund klinischer Befunde und Diagnosen, um so mehr Spezialistentum ist erforderlich. Um 1900 wurden Just und Pastor Felke, besonders wegen ihres Einsatzes von Lehm, also dem Naturelement Erde, der „Sonnendoktor“ Rikli durch seine Lichtbäderkuren bekannt.

Pflanzen- und Kräuterheilkunde

Aus uralten Erfahrungen der Volks- und Klostermedizin, im Mittelalter durch arabischen Einfluss wieder belebt, schöpft die heutige Pflanzen- und Kräuterheilkunde nach wie vor. Wobei die Kräuterheilkunde nicht in jedem Fall eine wissenschaftliche Begründung ihrer medizinischen Wirksamkeit im Einzelfall glaubhaft machen kann. Die Pflanzenheilkunde stützt sich dagegen auf pharmakologische Untersuchungen von annähernd 400 Heilpflanzen, deren Inhaltsstoffe und Indikationen als gesichert gelten, und die in Mitteleuropa eingesetzt werden. Durch ganz unterschiedliche pharmazeutische Verfahren wird die Pflanzendroge krankengerecht aufbereitet. Das kann allerdings bedeuten, dass die natürliche Wirksamkeit einer Pflanze zurecht gestutzt wird. Sinnvoll scheint dies nur bei Giftpflanzen zu sein.

Gesunde Ernährung und Küchenmedizin

Reformbestrebungen haben immer wieder einmal Ernährungsgewohnheiten hinterfragt und umgestoßen. Bereits in den hippokratischen Schriften der Antike (ca. 500 v. Chr.) wird der Ernährung große Bedeutung im Sinne einer Krankheitsvorbeugung und einer medizinischen Versorgung des Kranken zugemessen. Wie selbstverständlich gehört zu einem natürlichen Leben auch eine Versorgung mit natürlicher Nahrung. Das schlägt sich nieder in einer aromareichen Naturküche, die denaturierte Nahrungsmittel als Sättigungsmittel aus der Massenversorgung, welche den Anspruch auf ein echtes Lebensmittel nicht mehr erheben können, meidet.

Biochemie nach Dr. med. Schüßler

Bald im Gefolge der „abgekürzten“ Mineralstofftherapie durch Schüßler, zumal 1869 die Kurierfreiheit durch Änderung der Gewerbeordnung garantiert wurde, haben sich in Deutschland biochemische und naturheilkundliche Laienvereine gebildet, die zu wilhelminischen Zeiten bis zu 100.000 Mitglieder zählten. Schüßler’s Therapie, die auf den Schultern von Liebig und Moleschott steht und zunächst 10 biochemische Funktionsmittel verwendete, kann als Vorläuferin einer wissenschaftlichen Nahrungsmittelergänzung angesehen werden. Erst im 20. Jahrhundert wurde dann nach und nach die breite Palette der Vitamine und CoEnzyme entdeckt. Die Naturstofftherapie eröffnete bald darauf ein eigenes großes Kapitel.

Außenseiterverfahren

Darunter fallen z. B. die Geistige Heilung und diagnostische Verfahren mit Pendel und Wünschelrute. Leichtfertig werden solche Verfahren oft als Spökenkiekerei abgetan. Es gibt sicher noch viele Dinge zwischen Himmel und Erde, die der Wissenschaft (noch) unbekannt sind oder ihr als obsolet erscheinen, letzteres manchmal sogar zu recht. Die Naturheilkundler kommentieren angestammte Vorgehensweisen und die Außenseiterverfahren mit gesundem Menschverstand: „Wer heilt, hat recht!“ – aber jeder hat nicht das Recht, zu heilen. (Uhlenbruck)

Vorbeugen ist leichter als Heilen!

Eine Domäne der Naturheilkunde ist die vorbeugende Heilkunde, die prophylaktische Medizin. Um sie effizient zu gestalten, bedarf es einer guten Menschenkenntnis und eines gewissen Grades an Selbstbeobachtung und Erfahrung. Letztlich wissen die meisten Betroffenen ab einem gewissen Lebensalter selbst, was ihnen gut tut, oder was ihnen nicht so gut bekommt. Aber auch viele „unsichtbare“ Stoffe und Lebensvorgänge sind keineswegs immer als harmlos einzustufen, und sie summieren sich: – von der Wiege an, bis zur Bahre. Nicht umsonst ist die Naturheilbewegung parallel zur Industrialisierung im 19. Jahrhundert entstanden. Gesundheitliche Aufklärung, noch bevor das „Kind in den Brunnen fällt“, ist dem gemäß ein ursprüngliches Aufgabengebiet eines Naturheilvereins

Erfahrungsberichte in der öffentlichen Diskussion

Medizinisches Denken und Handeln befinden sich allzeit im Fluss, denn die Medizin ist keine Wissenschaft, aber sie bedarf der Wissenschaft (Heine). Ähnliches gilt auch für die historisch auftretende Laienmedizin. Wissen daraus wird nach wie vor angewandt, dann wieder vergessen und schließlich erneut ausgegraben. Einem Naturheilverein kann deshalb nur daran gelegen sein, Erfahrungswissen zu verbreiten und auszutauschen. Häufig bringen öffentliche Veranstaltungen neue Aspekte. Sie zeigen aber auch auf, dass übermäßiger Informationszufluss für Zweifel sorgen kann. Der Einzelne möchte Klarheit über die eigene, oder die ihm anvertraute, oder eine ihm fremde Situation gewinnen. Genaues Wissen nimmt Lebensangst hinweg. Wir können auf die Kraft der Natur bauen, denn sie ist die eigentliche Machtgestalt und ein Stück weit Helferin in der Not – wenn wir sie begreifen lernen. Text: Siegfried Haußmann (Heilpraktiker)